Wer misst die Wasser mit einer Faust? wer fasst den Himmel mit der Spanne? - wer wiegt die Berge? - Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, wie ein Scherflein, so in der Waage bleibt. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. - Er sitzet über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken. Weißt du nicht, hast du nicht gehört, der Herr, der ewige Gott, wird nicht müde noch matt.
Die Größe des Herrn ist unbeschreiblich und unbegreiflich - so erhaben Jesaja davon spricht, so ist es doch nur ein Tröpflein aus dem Meere, nur ein klein Sandkörnlein von allen Welten. Wer sollte aber glauben, dass der, von dem der Prophet hier spricht, derselbe ist, den er im 53. Kapitel ganz anders beschreibt? Und doch ist er am Kreuze kein anderer, als der über dem Erdkreis sitzt, Himmel und Erde umfasst. So viel Ehrfurcht uns diese Größe, Allmacht und Erhabenheit unsers Heilandes, gegen den wir alle nur Staub sind, einflößen muss, so sehr muss uns das, was er im Fleische für uns getan hat, wie im 53. Kap. Jesaia nachzulesen ist, mit Vertrauen, Liebe, Dank und Freude erfüllen. Sieh, der große Gott, der die Meere mit seiner Faust misst, die Himmel mit der Spanne umfasst, streckt seine Hände dar, sie für uns durchbohren zu lassen: Der, vor dem alle Nationen der Erde nur wie ein Tröpflein am Eimer sind, gibt den letzten Tropfen seines Blutes für sie hin, um sie durch Blut und Tod an sich zu ziehen und zu gewinnen. Was sollen wir mehr bewundern, seine Macht oder seine Liebe?! Wohl beides mit gleicher Freude und Danksagung. Er ist alles, was er ist, für uns, und wird es ewig bleiben; denn seine Macht und Liebe wird nicht müde noch matt.
Die Gefangenen sollen dem Riesen genommen werden, und der Raub des Starken soll los werden; und ich will mit deinen Haderern hadern, und deinen Kindern helfen. Und ich will deine Schinder speisen mit ihrem eignen Fleische rc.
Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen; und entsetzet euch nicht, wenn sie euch verzagt machen. Jesaja 51,7.
Kennt ihr den Riesen, den Goliath der Hölle? den Starken, den Räuber und Mörder von Anfang? - Fürchtet ihn nicht, doch scherzet auch nicht mit ihm. Denn die Schrift nennt ihn nicht umsonst den Starken, den Riesen. Ganz Israel zitterte vor Goliath? Nur David wagte sich an ihn, und überwand ihn mit einem Kieselsteine; weil er nicht auf Sauls Waffenrüstung, nicht auf seinen Arm und Kieselstein, sondern auf den Herrn, den Stärkeren, vertraute. Nichts hat der Christ zu fürchten, wenn er in Christo ist, denn dieser ist uns von Gott dazu gemacht, und dem Riesen, wenn wir schon in seinen Klauen wären, zu nehmen, uns, wenn wir schon ein Raub der Hölle wären, ihr zu entreißen. Viel weniger sollen wir Menschen fürchten, die zwar auch oft wie von der Hölle entzündet, und vom Satan inspiriert und belebt sind. Wenn sie noch so teuflisch wüten, empfehlen wir die Sache dem Herrn im brünstigen Gebete, der verheißen hat, mit unsern Haderern zu hadern; unsre Schinder mit ihrem eignen Fleische zu speisen; sie in ihren Schlingen zu fangen, sie in die Grube, die sie den Kindern Gottes graben, fallen zu lassen. Wie sollten wir uns fürchten, wenn der Herr vom Himmel ruft: Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen; zittert nicht, wenn sie euch Bange und verzagt machen wollen, sie, die vor ihm alle sind wie der Tropfen am Eimer. Lerne nur, liebe Seele, von den Schmähungen der Menschen, die unten auf Erden sind, wegsehen, dein Ohr davon abwenden, und aufsehen und hinhorchen zu dem, der von oben herab sieht, und das: Fürchte dich nicht! in unsre Seele spricht. Vergiss dies Wörtchen nicht, es ist ein eherner Schild, womit du alle feurige Pfeile des Satans auslöschen kannst.
Der Herr wird dein ewiges Licht, und dein Gott wird deine Zierde sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, noch der Mond den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens werden ein Ende haben. Und dein Volk sollen lauter Gerechte sein.
Hier ist ein ewiger Wechsel der Dinge. Bald haben wir Freude, bald Leid. Jetzt wandeln wir im hellsten Mittagslichte, in lauterem Frieden, in der seligsten Nähe des Herrn; dann wird wieder alles dunkel vor unserm Auge, und schwarze Nacht decket uns die Nähe des Herrn zu, die Sünde stürmet auf uns los, die Feinde drohen uns zu verschlingen. Wie müde Wanderer im finstern, fremden und gefährlichen Lande, wo lauter Räuber und Mörder wohnen, pilgern wir und sehnen uns nach dem Vaterlande, wo lauter Gerechte wohnen, wo Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, Psalm 85,11.; wo die Sonne nicht mehr untergeht, wo der Herr unser ewiges Licht ist. Doch könnten wir auch hier schon eine bleibendere Ruhe und einen ungestörteren Frieden genießen, wenn wir nur auf Ihn sähen, der als die ewige Sonne in unsrer Seele leuchtet, auch im Finstern unser Licht ist, Mich. 7,8. Nur die Unbeständigkeit des Herzens, der schwache Glaube erzeugt diesen Wechsel in uns, dass wir nicht unwandelbar in unserm unwandelbaren, ewig treuen und unveränderlichen Heiland stehen bleiben. Wer in ihm bleibt, der hat den unveränderlichen Trost, der ihn nie verzagen lässt; Der Herr wird unser ewiges Licht sein.
Du aber, o HErr, bist unser Vater und unser Erlöser; von alterst her ist das Dein Name.
Er ist Vater, Er ist Erlöser, ein väterlicher Erlöser, ein erlösender Vater. So kannten und nannten Ihn schon die Alten, freuten sich Sein, lobten Ihn, vertrauten auf Ihn, ehe Er ihnen so bekannt und genannt war, wie Er es uns ist der herrliche Name Jesus Christus, Gott hochgelobt in Ewigkeit. Wie sollten wir uns Seiner nicht freuen, da Er der Grund- und Eckstein unseres ganzen Glaubens- und Lebens-Gebäudes ist, unsere einzige Hoffnung, unsere Liebe! Sein Name ist wahrlich eine ganze Bibel, ein Buch Gottes, ein Testament, darin Altes und Neues enthalten, ein Schatzkästchen, worin alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis Gottes verborgen, ein Sendschreiben Gottes, wodurch uns der ganze Ratschluss unserer Seligkeit bekannt gemacht wird, eine Quelle, ein Born, aus dem wir alle göttliche Kraft schöpfen können. In diesem Namen lasst uns alles tun und alles leiden! In ihm lasst uns bleiben ewiglich! Amen.